Von der Idee zum Projekt

Die Idee des Spiel- und Begegnungsraums für alle Generationen

Lintorf ist eine von 17 Ortschaften in der Gemeinde Bad Essen (Landkreis Osnabrück, Niedersachsen). Seit 1992 ist die Einwohnerzahl in Lintorf um über 40 Prozent auf über 1.900 Einwohnern angestiegen - davon sind etwa 32 Prozent Spätaussiedler und 14 Prozent Menschen mit ausländischem Pass. Außergewöhnlich deutlich ist dabei auch der Anteil an Jugendlichen gestiegen. Es leben 560 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in der Ortschaft Lintorf, dies entspricht einem Anteil von 29,71 Prozent der Gesamtbevölkerung. Leider haben vor allem die Spätaussiedler mit ihren Kindern bislang nur wenige oder gar keine sozialen Kontakte geknüpft, wodurch es nicht selten zu Spannungen und Konflikten innerhalb der Bevölkerung kommt. Die Jugendlichen in Lintorf teilen sich dabei in drei große Gruppen ein. 36 % sind aus alteingesessenen Familien, 19 % sind türkischer Herkunft und 45 % sind neu hinzugezogene Spätaussiedler. Ein großes Ziel in der Ortschaft soll es sein, die Jugendliche zu animieren, einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung und -gestaltung nachzugehen. Dabei sollen insbesondere türkische und Aussiedlermädchen angesprochen und integriert werden.

So kam bereits im Jahre 2002 die Idee eines „Naturnahen Spiel- und Begegnungsraumes für alle Generationen“ auf. Mittlerweile sind die planungsrechtlichen Voraussetzungen seitens der Gemeindeverwaltung Bad Essen erfolgt, ein Grundstück in Lintorf mit einer Bruttofläche von fast 14.000 Quadratmeter wurde gesichert und dem im Jahre 2004 neu gegründeten Förderverein Lintorf e.V. vertraglich zur Nutzung dieses Projektes zugesichert.

Durch den Bau eines „Naturnahen Spiel- und Begegnungsraumes für alle Generationen“, der in einer Gemeinschaftsaktion von Bürgerinnen und Bürgern unterschiedlicher Bevölkerungs- und Interessensgruppen (auch von Kindern, Jugendlichen, Spätaussiedlern und ausländischen Mitbürgern) geplant wurde und gemeinsam unter fachlicher Anleitung umgesetzt werden soll, glaubt der Verein zusammen mit dem Ortsrat Lintorf und der Gemeinde Bad Essen, viele Ziele erreichen und soziale Probleme beheben zu können. Die Idee ist in dieser Dimension einzigartig für den ländlichen Raum. Es handelt sich um ein Freiraumkonzept mit Innovations- und Modellcharakter, das nach anerkannten, naturnahen Ansätzen bearbeitet wird und auch anderen Gemeinden richtungweisende Impulse mit großer Außenwirkung geben soll.

An erster Stelle sollen Freiraumangebote für Kinder und Jugendliche stehen. So ist zum Beispiel für die ganz Kleinen und deren Bezugspersonen ein naturnaher Spielraum geplant. Sport- und Spielmöglichkeiten, aber auch Rückzugsräume und Kommunikationsnischen gibt es für die Schulkinder und Jugendlichen sowie für die jung gebliebenen Erwachsenen in ausreichender Anzahl.

Ein weiteres Ziel der geplanten Baumaßnahme ist es, eine sozial und ökologisch wertvolle Begegnungsstätte in Eigenleistung herzustellen, in der sich künftig alle Mitbürger wohlfühlen sollen und so ein Ort entsteht, der allen Menschen von Lintorf hilft, Wurzeln zu schlagen und Heimat zu erleben. Dieser Ansatz findet sich in der naturnah ausgerichteten Konzeption unter anderem bei Großflächen, die multifunktional geplant wurden und sich auch zum Feste feiern eignen. Ziel ist demnach auch die Förderung von Miteinander, Toleranz untereinander und Werbung für mehr Mitmenschlichkeit.

Ein drittes, nicht minder wichtiges Ziel ist der geplante Naturlehrpfad mit 10 Stationen zur Umweltbildung rund um das Thema „Wasser“. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt dieses ausgekoppelte Teilprojekt „Wassererlebnisse und –experimente in einem Spiel- und Begegnungsraum als Medium der primären Umweltkommunikation für Kinder“. Speziell hierfür wurde ein Umweltpädagogisches Konzept entwickelt.

Erfolg verspricht sich der Förderverein auch bei dem Modell- und Innovationsprojekt durch die aktive Bündelung von Bürgerkompetenzen sowie dem Einbinden von Emotionen und der bereits jetzt spürbaren Motivation der jeweiligen Akteure. Grund hierfür ist sicherlich die speziell entwickelte Vorgehensweise.

Der Förderverein Lintorf e.V. hat sich gegründet, um diese Idee umzusetzen. Er ist für die Organisation, Ablauf, Finanzierung und Instandhaltung zuständig. Zusätzlich wird der Verein durch Herrn Jürgen Meyer ab Januar 2005 für längstens ein Jahr als Projektleiter im Zuge einer ABM-Maßnahme seitens der Gemeinde Bad Essen unterstützt. Darüber hinaus steht mit der Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung (FFS) aus Hohenahr ein kompetenter Partner für die Bereiche Planung und Bürgeraktionen zur Verfügung.

Die Idee des Naturlehrpfades

Eingebettet in das Gesamtkonzept „Naturnaher Spiel- und Begegnungsraum für alle Generationen“ soll der Naturlehrpfad über zehn Experimentier- und Erlebnisstationen, die über die gesamte Fläche der Anlage verteilt sind und in erster Linie Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter ansprechen sollen, verfügen. Hier wurde der eigentliche Ansatz auf Anregung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mittlerweile weitergeführt. War zunächst vom Förderverein Lintorf lediglich ein naturnaher Spiel- und Begegnungsraum mit einem Bach und Versickerungsteich als Biotopverbund angedacht, so wurde auf Anregung der DBU die Konzeption bis zur jetzigen Planung des Naturlehrpfades weitergeführt. Im Umweltpädagogischen Konzept sind weiterreichende Aussagen zu den Zielgruppen, Stationen und dem Projekt im Allgemeinen zu finden.

Für Kindergartengruppen, Schulklassen und weiteren Gruppen ist neben dem Lehrpfad ein kleines Wasserlabor geplant. In einem separaten und abschließbaren Raum in der Unterrichtshütte soll speziell für Gruppen, die sich intensiver mit dem Thema „Wasser“ auseinander setzen möchten, eine „Forschungs- und Experimentierausrüstung“ vorgehalten werden, wie z.B. Bestimmungsliteratur, Käscher, Siebe oder Becherlupen. Der Schlüssel zu diesem Raum soll tagsüber in einem Geschäft in der Ortschaft Lintorf bereitliegen. An einer Tafel auf dem Gelände und in den Broschüren und Flyern zu dem Projekt soll darauf hingewiesen werden, dass Gruppen einen Schlüssel für das Wasserlabor bekommen können. Eine Voranmeldung könnte hierdurch auch möglich sein. Verantwortlich für die Koordinierung der Gruppen ist der Förderverein Lintorf bzw. ein Beauftragter des Fördervereins.

Kinder wurden bei diesem Projekt als Zielgruppe gewählt, weil sie die zukünftige Entwicklung unseres Landes im Sinne der AGENDA 21, als kommende Generation, prägen werden und ihre Unbefangenheit als Kontaktpunkt und vermittelndes Element zur übrigen Bevölkerung, und zwar zu allen Generationen, Sozialschichten und Kulturkreisen dient. Das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“ soll zumindest in der Umgebung der Ortschaft Lintorf dazu führen, dass zukünftige Generationen „Mutter Erde“ und die Natur zu schätzen wissen.

Von den Schlüsselqualifikationen zur nachhaltigen Zukunftsgestaltung, die von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), auf der Basis der Bildungsanforderungen der AGENDA 21, formuliert wurden, soll im Rahmen dieses Projektes trainiert werden:

Die Besonderheit dieses Projektes ist die Einbettung in den großen Rahmen des Gesamtprojektes, mit dem die übrigen vom BLK formulierten Schlüsselqualifikationen:

Interkulturelle und zwischenmenschliche Verständigung
und Kooperationsbereitschaft zu fördern abgedeckt werden.

Die geplanten Stationen zur Umweltbildung stehen unter dem Oberthema „Wasser“. Wasser als eines der Urelemente strahlt auf Menschen und insbesondere auf Kinder eine ungebrochene Faszination aus. Durch Wasser, das unsere Region als Fluss durchfließt, lässt sich ein guter räumlicher Bezug zur Umwelt und zum Lebensraum herstellen. Weiter lassen sich zahlreiche Bezüge zum praktischen Lebensalltag der Kinder, wie z.B. dem täglichen Wasserverbrauch herstellen.

Mit Schulen und Kindergärten aus der Umgebung hat der Förderverein Lintorf e.V. mittlerweile schriftliche Vereinbarungen getroffen, die als klare Signale für eine Unterstützung der pädagogischen Arbeit und Nutzung des „Erlebnis- und Experimentierpfades“ zu werten sind. Dieses gilt nicht zuletzt, weil im gesamten östlichen Bereich des Landkreises Osnabrück kein Angebot in dieser Richtung existiert.

Neben der Vermarktung über die Tourist-Information der Gemeinde Bad Essen, ist die Verbreitung auf der gemeindeeigenen Internetpräsenz zugesagt. Auch auf den Seiten www.terravita.de und www.inspiros.de wird auf das Projekt verwiesen werden. Zudem hat sich der Förderverein eine eigene Domain gesichert. Dieses gewährleistet neben den Broschüren und Flyern eine Ausstrahlung des Projektes als Modellvorhaben über die Region hinaus.

Das Gesamtprojekt

Bei dem überplanten Freigelände handelt es sich um eine etwa 14.000 m² große Wiesenfläche zwischen dem Ortskern und einem Neubaugebiet. Konzeptionell findet man in der Planung ein interessantes, die Sinne der Menschen ansprechendes Wegekonzept, inhaltlich mit denen von Hundertwasser oder Kükelhaus vergleichbar. Die Ballspielbereiche weisen sozialintegrativen Charakter auf und werden den Forderungen des Deutschen Jugendinstituts gerecht, die Bedürfnisse der Mädchen in der Stadtlandschaft stärker zu berücksichtigen. Hierbei wurde besonderer Wert auf Kommunikationsmöglichkeiten gelegt. Diese finden sich an unterschiedlich gestalteten Plätzen, an Böschungen und im Naturspielbereich für die kleineren Mitbürger Lintorfs und deren Bezugspersonen bis hin zu den Senioren. Auch an einen Festplatz wurde gedacht, wenngleich wie bei den anderen Spiel-, Sport- und Freizeitangeboten stets der multifunktionale Charakter, also die Mehrfachnutzung im Vordergrund steht.

Neben den Spielangeboten, die sich am heimischen Baumaterial und weniger an den Katalogspielgeräten orientieren, ist u. a. ein Bachlauf geplant. Ein verrohrter, ehemaliger Bach soll freigelegt und naturnah gestaltet werden. Dieser Bach stellt darüber hinaus das Hauptthema für den Naturlehrpfad da.

Über dieses eigentliche Projekt hinaus soll ein Naturlehrpfad angelegt werden, der allen Besuchern der Anlage frei zugänglich ist. In einem Raum in der Schutzhütte soll zusätzlich für Gruppen, allen voran Kindergartengruppen und Schulklassen, ein kleines Forschungs- und Experimentierlabor eingerichtet werden.

Zahlreiche Einzelelemente sind geplant, wie beispielsweise eine zentral gelegene Schutz- und Unterrichtshütte mit Grillplatz, Ballspielwiesen, ein Streetballbereich mit kleiner Hütte als Jugendtreff, ein Spielplatzgelände mit Hängemattenschaukel, Bootshaus, Quellstein und Buddelsandbereich. Daneben ist ebenfalls in erster Linie für Kinder eine Spielhügellandschaft mit Bergsteigerwand und Seilelementen vorgesehen. Entgegen herkömmlicher Planungen wurde auch hier ganz konsequent der naturnah ausgerichtete Ansatz verfolgt. Man findet demnach kein klassisches Klettergerät, alternativ dazu jedoch ein überdimensional gebautes Kletterobjekt als Spielhügellandschaft. In diese Kletterwand integriert wurde eine Bergsteigerwand aus Natursteinen. Mehrere weitere Einzelelemente, wie zum Beispiel eine Boulebahn, eine Stehwippe und ein Atrium mit Freilichtbühne runden das Projekt ab, welches in eine naturnahe Umgebung mit Bachlauf eingebettet sein soll. Der kleine Versickerungsteich soll für die Benutzer der Anlage erlebbar sein. Aus diesem Grunde wurde an dieser Stelle der Wegebau unterbrochen und über einen Holzsteg mit Podest und dort integrierten Sitzgelegenheiten fortgesetzt.

In dieser Anlage integriert werden soll der Naturlehrpfad mit 10 Stationen rund um das Thema „Wasser“. In einem Raum in der Schutzhütte soll speziell für Kindergartengruppen und Schulklassen ein kleines Forschungs- und Experimentierlabor eingerichtet werden.

Insgesamt gesehen handelt es sich hier aus der Sicht der Planer und der die Planung aktiv beeinflussten Akteursgruppen um ein Vorhaben, das im großen Umfeld von Lintorf und Niedersachsen seinesgleichen sucht. Dieses gilt sowohl inhaltlich für das Konzept selbst als auch im Besonderen durch das methodische Vorgehen der Bürgerbeteiligung.